Übermütig.

HEUTE DIE erste Einladung außerhalb der familiären Verbindungen angenommen. Ein Essen, fünf Menschen, in einem Haus, in dem ich noch nie gewesen bin. Immerhin kenne ich alle Beteiligten, nun ja, eine davon zehn Minuten, mit der anderen habe ich mal eine Woche in der selben Firma verbracht, mit der dritten knapp ein Jahr, glaube ich, sehr schwache Erinnerung an die Zeit damals, aus den plausiblen Gründen: neunziger Jahre, ich unter Mitte 20, Astra als Dosen-Sixpack, Größenwahn, der sich nicht nach einem Blick in den Spiegel auflöste. Den vierten Menschen kenne ich auch aus der Zeit, allerdings habe ich in den letzten zwei Monaten mehr mit ihm geredet als in den zwei Jahren damals. Egal, ich werde da hingehen, was aber überhaupt nicht bedeutet, den Status quo - living in Amex-Müllkippe Hamburg - zu akzeptieren. Apropos: Es ist leer im Hamburger Westen. Skiferien. Hat der Bagger mit der Platinschaufel einmal zugegriffen und alles, was oben auf dem Geldhaufen saß, also neunzig Prozent, reingefressen, dann ein kurzer Schwenk nach Süden, aufgemacht, Hälfte rausfallen lassen: Die sind am Arlberg. Weitergeschwenkt, wieder geöffnet: Die gucken jetzt in der Schweiz auf den Schnee, das Gelumpe, das sie in Hamburg jetzt fast drei Monate vor den Porsche Cayenne-Stoßstangen gehabt haben. Und ansonsten bin ich mir inzwischen sicher, hier werden mehr Schlaf- und Schmerzmittel genommen als sonstwo in der Stadt. Hätte auch gern welche. Klinikpackungen, um präzise zu sein. Wahrheit ist doch: Es geht nicht um abzusagende Essenseinladungen, es geht um die Formel ich = Zeitvergeudung. Gestern in der Nacht tatsächlich die Angebote von Online-Apotheken verglichen. Und Gedanken über den überforderten Aldi-Kassierer mit den unfassbar dreckigen Fingernägeln, der meine zwei Packungen Schoko-Kekse über den Scanner gezittert hat, gemacht. Und dann noch, jetzt bekommt es Nizza-Niveau, eine Buch-Kritik für ein Seniorenheim geschrieben. Die Ich-wäre-so-gern-mondän-und-zappele-deswegen-mit-meinen-Händen-herum-bin-aber-nur-erfolglos-Aushilfe hat gestern zudem meine Handy-Nummer herausgegeben. Nächste Szene: Ich skalpiere sie. Zeit für Action. Danach zur Essenseinladung. Wildes Leben.

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