Spring 2010.

DER SOUND des Abends: ein Surren von Rädern, ein Schnurren von Laufbändern und das Stempeln von Schritten, dazu die leisen Fertigungsgeräusche des Körpermodellierens durch Gewichte, die mit flüsternder Altstimme nach oben und unten schleifen. Endlich: Ruhe. An jedem Gerät 2,5 Kilo mehr, jede Übung langsam, denn der Schmerz hier ist vielleicht das mea culpa, das den anderen Schmerz verringert. Ich verliere den Kampf gegen die Zeit jeden Tag. Nur hier nicht. Draußen verkleistert die Klarheit, als würde man aus einem fahrenden Auto den Kopf aus dem offenen Fenster halten und was sich daraus noch ergibt, dieses farbverschwommene Rauschen, ist das Schicksal. Agiert wie ein Feldmarschall. Die Tage, nein Wochen, nein Monate, nein Sekunden lösen sich auf wie eine Brausetablette, die man beiläufig in ein herumstehendes Wasserglas fallen lässt. Lauter kleine, wirr schwirrende Momente, willkürliches Schweben, uninteressiertes Zuschauen, es soll wirken, das ist der Sinn. Doch das Eigentliche hält den Abstand, also die Entfernung. Es wird nie werden. Und irgendwann ist man selbst einer dieser Menschen, die in Läden stehen und anfangen zu weinen. Bis dahin: so ein Lebensprolet. Die Frage, was von mir noch da ist, nach all der Erosion und der Höflichkeit. Na ja. Zu neunzig Prozent inzwischen ein Produkt soziologischer Ingenieurskunst, nein, schon brachialer, da ist viel Blut geflossen, und das war noch eine harmlose, weil eindeutige Flüssigkeit, ja ja, es sind die Flüssigkeiten, die uns ruinieren. Und kompatibel machen. Oder zumindest einbaubar. Ein Ausstattungsgegenstand in der Welt Weniger, die durch ihre geringe Anzahl aber nicht milder sind.
Der Frühlingsregen in der Nacht erinnerte mich an etwas, vielleicht war es auch der Geruch, der daraus entstand. Es hatte etwas mit einem prinzipiellen Konjunktiv zu tun. Und viel mit rennen so weit wie man kann, zumindest gehen. Dann wieder ein Blick auf die Hände, der reicht, um zu wissen: war einmal. Inzwischen geht gar nichts mehr, geschweige denn das ganze Subjekt, inzwischen bitte Dankbarkeit. Keine Metaebene, die den Fall abfedern würde, aber das wussten wir auch schon vor x Jahren, als wir noch in Kreuzberg an Eichentischen saßen und das Kerzenwachs abgepult haben, die einzig gültige Metaebene ist der Tod, was denn sonst, boring. Und ausgerechnet beim Abwaschen (warum zum Teufel benutze ich diesen Geschirrspüler nicht? Das ist doch auch schon wieder so ein verfluchtes Zeichen), also ausgerechnet beim Abwaschen der geklauten KPM-Urania-Teller der Gedanke: Für mich ist das hier aber New York. Die alte Frage: Gott oder die Idee davon. Klar, dass mir die Idee reicht. Und es funktioniert immer besser. Heligoland bisschen lauter gestellt, ja, das kann hier alles sein, was ich will. Ich muss es nur glauben. Ich, ich, ich. Wer immer das ist. Zurzeit jedenfalls der einzige Zeuge. Kein Kreuzverhör meinerseits, ganz bestimmt nicht. Lieber Gott, danke, dass du uns die Nacht gelassen hast.

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