Gone.
ALS ICH HEUTE, an meinem freien Tag, aus dem "Vitalclub" kam, die Kopfschmerzen endlich weg, das hellblaue Polohemd durchnässt und die Rückenmuskeln wieder mit 2,5 Kilo mehr malträtiert worden waren, schien immer noch ein Rest von Wintersonne, aus unerfindlichem Grund ertönte ein Nebelhorn und genau bei diesem Geräusch wusste ich plötzlich, dass der Sommer 2003 für immer der beste meines Lebens gewesen sein wird. Es ist gar nicht viel passiert damals. Es war heiß, ich hatte einen zehn Meter breiten Balkon im 21. Stock, ich fuhr die ganze Zeit mit der Vespa durch Berlin und mein kleiner Neffe lachte laut, wenn er mich sah, eine halbe Stunde später schlief er meistens auf meinem Arm ein, und dann bewegte ich mich eine Stunde nicht, um ihn nicht zu wecken, und dachte an all die schönen Sätze, die wir uns sagen könnten, wenn er endlich sprechen würde. (Was er keine drei Monate später tat, und sein viertes Wort war: Schmetterling) Ich hatte eine beste Freundin, mit der die Zeit ganz einfach war, ich verdiente mein Geld leicht, ich war in zwei Frauen verliebt, die das beide nicht wussten. Ich las Ford Madox Ford, ich schrieb über das Wetter und über schmale Männeranzüge, ich trank Beck's, ich rauchte P&S aus dem Softpack, ich träumte die ganze Zeit, ich hörte so laut wie nie Musik, und ob auf dem Balkon, auf der Vespa oder auf dem Segelboot, ich hatte die ganze Zeit Gegenwind. Es war der coolste, wärmste und windigste Sommer meines Lebens. Und als ich es nicht mehr aushielt, geschah das genau am ersten Herbsttag.
Ich lebe seit vierhundert Jahren allein, und ich werde es die letzten fünf Jahre auch tun. Manchmal weiß ich nicht mehr, wer ich bin. Und es ist das erste Jahr, in dem ich mich nicht auf den Sommer freue.
Ich lebe seit vierhundert Jahren allein, und ich werde es die letzten fünf Jahre auch tun. Manchmal weiß ich nicht mehr, wer ich bin. Und es ist das erste Jahr, in dem ich mich nicht auf den Sommer freue.
kapitaelchen - 8. Mär, 20:36