Anders unterwegs.
SCHON ein bisschen bitter, das Berliner Kennzeichen gegen ein Hamburger umtauschen zu müssen. War dann aber doch Faulheit und nicht Sentimentalität, den Zulassungsdienst damit zu beauftragen. Der kommt pünktlich in Form eines großen Mannes, der einen Quadratzentimeter seines Gesichts nicht rasiert hat. Und der so zittert wie ich während meiner schlechtesten Phasen. Oder wie die Geschäftsführerin in der ersten Agentur, die jeden Nachmittag eine Flasche Wein aufgemacht hat und erst dann so richtig in Fahrt gekommen ist. Schon merkwürdig, dass ein Alkoholiker mein Auto ummelden wird. Wir sollten alle nicht mehr fahren. Wenn ich so überlege, sollte man das Autofahren verbieten. Nur gegen Sondergenehmigung, nach ähnlichen Tests wie bei Astronauten und Päpsten. Herr M. nimmt mir also meine Papiere ab. Ich wünsche mir genau das Berliner Kennzeichen, nur eben mit HH vorne. Zwei Stunden später kommt er zurück. Ich muss was unterschreiben, bei dem Versuch, den Kugelschreiber aus seiner Mappe zu nehmen, ihn mir zu geben, ihn mir wieder abzunehmen und in die Mappe zu stecken, kommt es beinahe zu Verletzungen. Natürlich nicht. Aber es zeigt die ganzen Peinlichkeiten, mit denen die Sauferei verbunden ist. Und dann gibt er mir die Nummernschilder. Der Buchstabe, den ich wollte. Aber nicht die Zahl. Jetzt habe ich 1077. Ich gucke Herrn M. an. Frage ihn nicht, ob das Absicht war. Bedanke mich. Überlege. Man kann jeden Mist als Zeichen nehmen. Aber manchmal muss man es wirklich. Canossa. Ich habe ein Kennzeichen, das auf den Gang nach Canossa hinweist. Ich muss nachdenken.
kapitaelchen - 23. Feb, 22:40