Donnerstag, 20. Mai 2010

Ausflug.

DANN ALSO STUDENTEN, die mal die Welt gestalten sollen, erklärt, wie moi die Welt sieht. Und warum das sehr fundiert und richtig ist. Vorausgegangen eine 5-stündige Bahnfahrt durch Gegenden, die ich niemals kreuzen wollte. Ja, Deutschland ist mal sehr schön und mal sehr, sehr hässlich. Beim "Zapfhahn" in einem der Umsteigebahnhöfe gab es ein Sonderangebot für Bier und eines für Bier plus Korn. Ab 19 Uhr wäre auch noch Happy hour gewesen. Happy hour in der hell ausgeleuchteten Resopal-Bahnhofskneipe. Dafür muss man gebaut sein. Und dennoch überlegte ich kurz zu bleiben. Schaute mir dann aber doch die Arbeiten der Studenten an. Kommentar erwünscht. Ich fand alles fein, weil ich bin ja lieb, das merkt man auch, wenn ich mir sehr, sehr große Mühe gebe. Dann haben sie die ganze Zeit in meine blauen Welpenaugen geguckt, und ich habe immer genickt und gelächelt und nett gesagt, dass alles schön ist, alles, alles, alles, an diesem kleinen Eckchen könnte man vielleicht, vielleicht noch ein bisschen was... aber im Prinzip alles fein. Die sind Anfang 20. Da komme ich Wrack doch nicht daher und erzähle, wie schnell man vor Madagaskar untergeht. Entsprechend schon ein paar Freunde gehabt, die dann im Vortrag saßen. Ein ganzes Fußballspiel lang frei geredet. Das habe ich das letzte Mal gemacht, als – ich weiß nicht. Jedenfalls stand damals im Zweifelsfall ein sexuelles Interesse mit im Raum. In diesem Saal mit ungefähr acht Meter Deckenhöhe jedoch sicherlich nicht. Eher: Ich spüre eine katholische Ader in mir. Wenn ich mich recht erinnere, dann endete das Wort zum Leben mit meinem Appell, das Wahre, Gute, Schöne in die Welt zu bringen. ICH hörte die Orgelklänge. Nun gut. Der Rest ging schnell. Am Umsteigebahnhof, den ich kurz nach 19 Uhr erreichte, nutzte ich nicht die Happy hour im "Zapfhahn", sondern kaufte das Panini-Album zur WM plus 20 Sticker-Tütchen. Und einen Krimi. Komme ja sonst nie an ein Buch. Die Reichsbahn oder wie immer die jetzt auch heißt, fuhr mich in einen formvollendeten (gestaltet DAS!) Western-Sonnenuntergang. Und irgendwann war dieser Ausritt vorbei. Und ich freute mich, wieder in Hamburg anzukommen. Vielleicht war das überhaupt das Bemerkenswerteste an dem ganzen Tag (nein,war es nicht). Ich freute mich, wieder nach Hamburg zu kommen, tss. Und als ich die Tür meiner blöden Wohnung schloss, fiel mir ein: Gut 90% der Projekt-Studentinnen (bei denen im Vortrag konnte ich es nicht sehen) hatten einen definitiv dicken Hintern. Was ich sehr, sehr okay finde. Aber dass ich da überhaupt hingucke zeigt, ich bin inzwischen wirklich jenseits.

Freitag, 14. Mai 2010

Knapp.

besser gelöscht.

Dienstag, 11. Mai 2010

Durchblick.

VERTRAGSGEMÄSS ALLE 6 Wochen - ich glaube allerdings eher alle 4, gezahlt wird nach Besuch - kommt der Fensterputzer ins Schüppchen. Er ist eher klein, hat einen Kugelbauch, einen Schnauzer, er sieht immer aus, als wäre er gerade beim Barbier gewesen. Ein Hamburger Michelin-Männchen in grüner Latzhose und schwarzem T-Shirt. Schiebt das Schaufensterregal lässig nach hinten, wenn er an die Innenscheibe muss. Wir Mädchen schaffen das nur zu zweit. Unter Schmerzen. Ich mag den Fensterputzer. Er ist schon auf den ersten Blick nicht der Hellste unter der Sonne. Er ist lieb. (ABER er ist lieb oder UND DARUM ist er lieb?) Er wischt also die Fenster ab, dann kommt er zur Kasse, lässt sich seine 19,04 auszahlen. Heute zudem: "Sagen Sie mal, Sie sind doch eine kluge Frau." Ich schüttele den Kopf. "Na, Sie sind belesen, all diese Bücher hier." Ich schüttele den Kopf. "Doch, doch. Also: Was ist der Sinn des Lebens?" Ich schüttele wieder den Kopf. Ich bin doof, ich rede nur meistens so schnell, dass es keiner merkt. Der Sinn des Lebens. Kleiner hat er es wohl gerade nicht. Aber wie immer, wenn es ums Grundsätzliche geht, wollen die Leute gar nicht die Antwort hören. Sondern nur ihre eigene Erkenntnis zum Besten geben. Fenster-Michel sagt: "Der Sinn des Lebens ist, füreinander da zu sein, sich zu helfen und teamfähig zu sein." Teamfähig zu sein, woher hat er das bloß? Ich nicke, bleibe stumm. "Also so sehe ich das. Ist ja schön, reich zu sein und so, aber ich glaube, der Sinn des Lebens ist das andere, oder?", er schaut mich erwartungsvoll an, aber ich nicke nur wieder. "Na ja, ich wollte nur mal Ihre Meinung wissen, aber Sie sehen das ja auch so, oder?" Halbes Nicken und Lächeln. Er macht sich auf den Weg, bleibt aber oben auf der Treppe stehen, dreht sich um. "Noch eine kleine Frage. Glauben Sie an Wiedergeburt?", kleine Frage, was hat der Mann genommen? Und warum erwischt es immer mich bei solchen Gelegenheiten? Ergebnis jedenfalls: Ich zweifele schwer, dieses Mal sogar mit fünf Worten, er ist überzeugt, er kommt noch einmal wieder auf die Erde, allerdings eher nicht als Tier. Und dann geht er. Ich stehe im Schüppchen, die Fenster sind sauber, überlege kurz, was noch einmal gleich der Sinn des Lebens ist und wie es sich exakt mit der Wiedergeburt verhält. Nach zwei Minuten marschiert eine Millionärsgattin herein und beschwert sich, dass ihr 78-jähriger Mann sich bei den jungen Frauen aufführt, als wäre er 28. Frau knallt Prada-Portemonnaie auf den Tresen und sagt: "Ich halte es nicht mehr aus, ich finde den inzwischen so widerlich." Und so geht das den ganzen Tag, eine Tretmine nach der anderen, ich stehe da und mache jeden Mist mit. Das jetzt seit fast 9 Monaten, und es erscheint mir, als wäre diese ganze Zeit ein einziger Witz, allerdings ohne den Hauch einer Pointe. Die fällt mir an dieser Stelle auch nicht ein. Vielleicht gibt es den Lacher zu dem ganzen Krempel in meinem nächsten Leben als Fensterleder.

Mittwoch, 5. Mai 2010

Karneval mit Tupfer.

NACH DER SPÄTNÄCHTLICHEN Zugfahrt plus ausgedehntem Nachdenken völlig hinüber, Visage also wirklich überreif für Eingriffe, die man ansonsten mit dem Presslufthammer oder dem Kärcher vornimmt. Paar Versprengte im Wartezimmer. Komme dann rein in den Salon und da grinst sie, Doktor Mutti. Hellblond und mit dem Hammerhammerdialekt. Ruhrpott is back. Kulturdingens 2010 sitzt in der Grindelallee und hat Spass inne Backen. Mit mir. Und ich kann nicht anders, ich find das auf einmal auch alles ziemlich lustig. Irgendeiner meiner Vorfahren kommt aus Gelsenkirchen. Und das bricht immer wieder durch, das schreckliche Erbe. Doktor Mutti lässt mich zehn Sekunden in Ruhe, damit ich mir das beidseitig eng beschriebene Blatt mit den Risiken sorgfältig durchlesen kann. Ick schnall nüscht, sie macht Witzchen über das Hamburger Abitur, bei dem man immer noch über "Der Besuch der alten Dame" Bescheid wissen muss. Ich unterschreibe, dabei bin ich erst in Zeile vier. Sache ist geritzt. Wir freuen uns aufs nächste Treffen. Auf dem Rückweg fällt mir ein, dass sie mir da das Gesicht aufschneidet. Und ich hoffentlich betäubt bin. Frau Doktor wird es nicht so krumm nehmen, wenn es nicht klappt. Setzt man sich eben an Karneval keine Maske auf, ist doch praktisch, was soll sein? Ich finde den Ausgang nicht, sondern laufe das Spiralentreppenhaus tranig eine Etage zu tief hinunter. Wieder so ein mistiges Zeichen. In den Hinweisen zur OP steht, man soll vier Wochen vorher nicht rauchen, nicht trinken, kein Aspirin oder sonstige Medikamente nehmen. Auf dem zweiten Zettel, der mir mitgegeben wurde, steht, man darf das nur zwei Wochen vorher nicht. Auf einem dritten steht bestimmt, man soll das lediglich während des Eingriffs bitte nicht tun. Die Frau ist Unfallchirurgin. Kurz frage ich mich, ob ihrer Chirurgerei der eigentliche Unfall ist. Man wird sehen.

Freitag, 30. April 2010

Lichtblick.

SELTEN HABE ich mich in langer letzter Zeit auf etwas so sehr gefreut wie auf die nächsten drei Tage. Morgen früh in den ICE nach Berlin und dann schöne Zeit mit der Besten und dem einzig wahren Hund. Fein, fein, fein. Nach dieser Elendswoche natürlich sowieso. Dermaßen gebeutelt von Krankheit und einem Geschäftspartner (Job 2), der keinen Termin einhält, sondern sie immer und gerne mal gleich um 5 Stunden nach hinten verschiebt, auch die für 18 Uhr anberaumten. Gestern kam die Mail mit der Jobansage "Muss um 11 fertig sein" um 5.02 Uhr. Ich las sie um 8.04. Der Rest war Horror plus Fieber. Aber heute ist beides weg, ich habe verkündet, dass ich todsicher um 22 Uhr die Türen schließe. Das Täschchen ist bereits gepackt, das Ticket gebucht, der Fensterplatz reserviert, die Geschenke sind beisammen, die Beste freut sich, ich freue mich, der einzig wahre Hund wird es auch tun.
In den letzten Tagen ein Flash nach dem anderen, denn der Hamburger Himmel, die Luft, das Wetter, die Menschen, die Sprache, die Bäume, die Straßen, der Geruch – präzise gesagt: alles – erinnert so an früher, nein, es ist genau wie früher. So bin ich aufgewachsen, das hier würde man unter den Begriff "Heimat" packen. Ginge es um eine Entscheidung, müsste ich zugeben, dass Hamburg gegen Berlin im Heimatspiel um mich 7:1 gewinnt. Na ja, 7:2, ein Eigentor dabei. Was mich nicht abhält, jeden Tag über Hamburg zu fluchen. Aber Zuhause ist es einem ja nie recht. Und in spätestens anderthalb Jahren bin ich wieder in Berlin. Vielleicht. Egal. Noch 15 Stunden! Ick freu mir.

Sonntag, 25. April 2010

Happy Weekend.

KRANK. Hatte schon vergessen, wie weh das tut. Samstag Job machen, um 14 Uhr Laden abschließen, besinnungslos nach Hause fahren, Filme angucken, Inhalt sofort vergessen. Nehme was für den Hals, was für die Lungen, was für den Kopf, was für alles. Wäre schön, wenn jemand die Sonne ausknipsen würde. "Requiem for a dream" und "Pi" sind der Sicht der Dinge auch nicht zuträglich. Lesen rauscht vorbei, könnte auch nächtliche Schneckenrennen anschauen, ähnlicher Nachhall. Der Arter, durchaus über den Zustand der Person informiert, nervt um 23.40, er hätte gern ein bisschen Arbeit von mir, gleich morgens um 9. Vor 3 Tagen kam abends die Mail "Melde mich um 22.30 mit Briefing, muss nachts noch fertig werden". Ja, es gibt Ansatzpunkte, Dinge meines Lebens zu verändern. Die Beste nimmt aus der Ferne Anteil und schickt aufmunternde Mails und Bilder. Auf einem sehen sie und der einzig wahre Hund aus wie Bonnie & Clyde. Durch die Wohnung wabert Wick Vaporub. Ich mache den Job, dann lege ich mich wieder hin und kriege keine Luft, dann stehe ich wieder auf, mache den Job und versuche, Luft zu kriegen, dann kann ich nicht mehr, lege mich wieder hin und so weiter. Draußen 21 Grad. Ich friere und überlege röchelnd, was letzte Woche so war, und mir fällt kaum etwas ein. Ein Abendessen, zwei 12-Jährige, die den GirlsDay im Laden verbracht haben, der Kleine hat mich besucht und beim Armdrücken besiegt, Essen mit den Verwandten, ein Streit am Telefon, es war hell letzte Woche, man hat mir Donnerstag einen Strauß in violett und champagner geschenkt, Freitag ein riesiges, ebenfalls violettes Stück Torte, Samstag einen Schokoladen-Marienkäfer, rot, dann noch das verspätete, hellgrüne Ostergeschenk vom Neffen, außerdem war da ein dreifaches Augenzwinkern plus merkwürdiges Lächeln von – ach egal. Die Domina ist kurz hereingeschneit und hat befohlen: Tür auf, wann immer möglich! Daher jetzt wohl dieser Bronchialkollaps. Dann noch zwei langweilige Bücher, unter anderem zum ersten Mal Mankell, so zäh. Und zudem natürlich der Anfall, jetzt mal ganz viele Filme sehen zu müssen. Keine Ahnung, woher die Schnapsidee kommt. Als hätte ich auch nur ein Viertelstündchen zu verschenken. Heute war in Hamburg Marathon. Ich schaffe es gerade mal so von Schreibtisch bis Sofa. Die Gedanken nicht einmal von Hirn bis Fingerkuppe. Also Schluss jetzt. War sogar zu schwach, um Nachrichten zu schauen, hatte Angst, ich würde anfangen zu weinen. Und womöglich war das noch eines der angenehmeren Wochenenden in diesem schrecklichen Jahr?

Donnerstag, 15. April 2010

Ich kann sie alle nicht haben.

HEUTE SITZT ALSO wie jeden Donnerstag um kurz nach 10 die weiße Rollator-Frau auf dem Bänkchen im Laden. Ohne jeden thematischen Zusammenhang die Frage: Sind Sie verheiratet? Ich: Ne. WRF: Aber wollen Sie nicht? Ich: Ne! WRF: Warum nicht? Ich: Bin ich verrückt? In dem Moment kommt die nächste Kundin herein. WRF: Na dann müssen wir wohl mal aufhören, privat zu sein. Danke, hat mir an Outing-Aktivitäten auch schon wieder gereicht. Aber keine zwei Stunden später kommt der alte Mann. AM: Darf ich Sie zum Essen einladen? Ich: Ne, danke. AM: Warum nicht? Ich: Ich mache so was nicht. AM: Aus Prinzip oder wegen mir? Ich: Aus Prinzip. Was danach kam, war die Zusammenfassung des Buches: Komplimente für Anfänger, das Pilcher-Special. Ich wollte in die Kasse kriechen vor Scham. Der alte Mann ist Mitte 60 und ich verstehe nur jeden zweiten Satz wg. Schlaganfallfolgen. AM fährt allerdings einen sehr hübschen Jaguar. Meine Hamburger Eroberungsliste liest sich inzwischen wie das who-is-who der Schwervermittelbaren. Allein schon das Jack-Wolfskin-Eiche-Nachttischchen, das hier eine Zeit lang mehrmals wöchentlich aufgetaucht ist. Sabbernd. Aushilfe 1 ist jedes Mal lachbrüllend nach hinten in den Sozialraum gestürmt. Dann kam der Obdachlose, der einen zwanzig Zentimeter langen, klaffenden Riss am Hosenlatz hatte. Zwar nicht soff, aber - roch. Großer Fan von moi. Es gibt eine Dame, die gar über 70 ist. Und mich immer anfassen will. Usw. Überhaupt: Die Gegend hat eine offizielle Homorate von 0,0001%. Ich werde dauernd nach meiner Ehe und meinen Kindern gefragt, davon gehen die hier schlicht aus, auch wenn man schon sehr blind und taub sein muss, um bei mir ein Fünkchen Hetero auszumachen. Aber würde ich mich vor den Laden stellen und rufen: "He, Frauen, hierher, Spaß haben!", der Laden wäre pickepackevoll. Mit +60-Hanseatinnen. Nicht wegen mir als Person, natürlich nicht. Sondern weil sie ihr Geld nicht so bewusstlos machen kann; sie merken immer noch, was für eine Scheiße sie da zusammenleben. Gestern rief mich eine Frau an, die wohl vor 2 Wochen im Laden war. Auch Einladung zum Essen. Landhaus Scherrer. Ich kann mich nicht an ihr Gesicht erinnern, an nichts eigentlich. Was ist hier los? Ist mir aber auch egal. Die Botschaft lautet: Lasst mich in Ruhe, ich habe kein Interesse. An Menschen. Vor allem nicht an solchen, die in mein Bett wollen. Diesen zugegeben zweitgeilsten Ort der Welt. Das einzige, was in meinem Leben gerade fehlt, ist eine schöne Stange Zigaretten. Oder schöne Stange Dynamit. Ansonsten ist die Person, die Sie gewählt haben, nicht erreichbar. Nie.

Mittwoch, 7. April 2010

So sieht das aus.

ALSO HIER MAL eine Zusammenfassung, was bei mir u.a. kaputt ist: Herz, Lunge, Seele. Leber müsste eigentlich auch, ist aber nicht. Schultergelenk rechts. Manchmal Hüftgelenk rechts. Manchmal Knie rechts. Augen lala. Schilddrüse angeblich. Hirn mitunter völlig hinüber, hat aber noch gute Minuten. Das sind so die gröbsten Baustellen. Heißt: Ich kann nicht schlafen, nicht denken, keinen Sport machen und erwäge jeden zweiten Tag Varianten von Selbstmord. Bedeutet: Ich bin permanent müde, mache ununterbrochen Fehler, werde bald fett und mein erstes Wort morgens ist "Scheiße". Hat zur Konsequenz: Ich nehme abends alles Greifbare, das eine einschläfernde Wirkung haben könnte, morgens das, was mich wach und konzentriert machen könnte, gehe vier Mal in der Woche zum Sport, kollabiere dabei jedes Mal fast und meine ersten Worte morgens sind "Oh, Scheiße". Nebenwirkung: Ich träume übles Zeug, ich verwirre die Kunden mit überstrahlten Gedankengängen, ich habe einen Bizeps, der ein Handball werden will (aber an einem Hockeyschläger klebt), mein erster Satz ist meistens "Oh, Scheiße, hoffentlich ist der Tag bald vorbei". Das einzige Mal, dass es mir in den letzten sechsunddreißig Monaten gut ging war, als ich Beta-Blocker genommen habe. Da war mein Leben ein belustigtes Fragezeichen. Vor ein paar Monaten hatte ich einen Arzt fast so weit, dass er mir den Stoff wieder verschrieben hätte, aber dann lief es doch nur auf Thiamazol hinaus, was einfach unfassbar langweilig ist. Seit fünf Tagen jedoch nehme ich so einen homöopathischen Mix. An den ich von Anfang an nicht geglaubt habe. Phosphorsonstwas. Und der wirkt. Gleich am zweiten Tag ging es los. Seitdem bin ich, annähernd, in diesem merkwürdigen Zustand, man nennt es wohl – gut gelaunt. Ich fühle mich wie damals zu Beginn der Sommerferien. Oder als würde ich gerade sehr fein Golf spielen. Das ist verwirrend. Macht aber eben auch Spaß. Gestern dann festgestellt, dass ich mich in der Dosierung vertan habe. Tja, vierzig Prozent zu viel genommen. Ist mir egal. Ist ja mein Zeug, ich kann dosieren wie ich lustig bin. Und ich bin gerade ziemlich lustig. So ein Fläschchen hält etwas mehr als zwei Wochen, bei mir also knapp zehn Tage. Kostet 6 Euro. Das kann ich die nächsten vierzig Jahre trinken, dafür reicht es immer. Homöopathie, sehr schön. Ohne mein Fläschchen gehe ich nicht mehr aus dem Haus. Morgens denke ich jetzt "Oh, Scheiße, aber he, was soll's". Phosphor kippen, raus ins Leben, bisschen grinsen. Ich würde gern in so eine homöopathische Bar gehen. Mal durchprobieren. Schnäpschen fürs Knie wäre gut. Das schulmedizinische Zeug schleiche ich jetzt aus, boring.

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