Ausgekocht.
CIRCA 2x im Jahr denke ich: Kannst ja eigentlich auch mal selbst kochen. Irgendwo etwas gelesen oder gehört oder im Restaurant gewesen oder wie dieses Mal eine Tupper-Portion von der Schwägerin bekommen und eben gedacht: s.o. Dann gibt es da diese eatsmarter-Seite. Allein das Rezept auszusuchen zog sich über zwei Tage. Dann das Abwägen, wann überhaupt was zu schaffen ist. Glatt die Sportstunde vorgezogen, denn bei der Anleitung steht: dauert 45 Minuten. Bei mir also 2 Stunden. Zettelchen geschrieben (immerhin kein eigenes Dokument dafür aufgemacht) und durch den Edeka geirrt. Kräuter gekauft. Bohnen. Kartoffeln. Lachs, Frischkäse, Meerrettich. Usw. Auf der Suche so viele Lebensmittel gesehen, die ich nicht kannte. Bei Edeka gibt es unbekanntes Leben. Gut, jetzt ist es tot, aber früher hat es gelebt, denn Pflanzen leben doch, Fische sowieso, oder? Bevor sie dann etwas werden, was in Folie, in Blechdosen, in Plastiksäckchen auf Menschen wartet. Hm. Ich habe gekocht. Es hat 1 Stunde 15 gedauert. Es schmeckte - nicht schlecht. Gemessen an dem Aufwand war es kein cleveres Projekt. Für den umgerechneten Stundenlohn hätte ich einen Pullover kaufen können, der eine Haltbarkeit von vier Jahren gehabt hätte. Ja, ich hatte das Gefühl, ich hätte gearbeitet. Für mich. Wie überflüssig. Morgen gehe ich wieder zu den Schränken, wo das ganze bunte Zeug wie eine süddeutsche Herbstlandschaft in Frosta-Packungen eingefroren ist. Man muss nicht kochen, wenn man in einer Großstadt lebt. Man sollte das nur tun, wenn es sich rechnet. Außerdem irritiert es mich, wenn eatsmarter sagt, das seien jetzt 6 Portionen, ich esse die Hälfte und denke, da geht noch was. Kein gutes Gefühl. Und auf dem Air-Touchpad sind krümelige Stärkereste. Am nächsten Morgen riecht es immer noch etwas nach dem - Zeug. Der zarte Hauch der Niederlage. Heute bleibt die Küche kalt, sang man da früher. Kochen. Schnapsidee.
kapitaelchen - 28. Feb, 12:02